[Wechsel]
Der Unterschied zwischen Nektar und Saft ist, dass Nektar mit Wasser und Zucker verdünnt wird. Er ist also billiger herzustellen, aber dafür ungesünder. Das hat mir Wikipedia gesagt und die Zutatenliste auf der Saftpackung. Ich habe mich für Nektar entschieden. Prost, wirtschaftliches Denken hat gegenüber der Gesundheit Vorfahrt.
Ich habe diese Strecke schon vor einem Jahr verflucht. Sie führte von der windig-warmen Großstadt zurück ins Regengraue. Meine Laune kippte mit dem Wetter und fiel eine steile Klippe hinunter. Leider reißt sie oft liebe Menschen von mir mit.
Heute liegt meine Stimmung wieder zerschellt am Meer. Es regnet, die Tropfen beginnen, ihre Bahnen am Fenster zu ziehen. Und Zugfahrten machen mich immer so nachdenklich. Melancholisch nachdenklich. Fast zu drollig, dass sich mein halbes Leben in Zügen abgespielt hat. Die Erklärung für alles?
"Sänk ju vor dräweling wis "Deutsche Bahn"! Kutbei!"...Ich fahre ins Ungewisse.
Rien. (Der Tragödie erster Teil)
Meine Mutter hat mir als kleines Kind erklärt, der Unterschied zwischen einem Feld und einem Acker ist, dass man beim Acker den Anfang und das Ende sieht. Das Feld jedoch gehe über den Horizont hinaus. Ich habe diese Tatsache damals wie heute akzeptiert und mir nie wieder darüber Gedanken gemacht.
Nun stehe ich hier auf diesem Feld. Zertrete eine Frucht nach der anderen. Manche sind schon sehr reif, sie haben die Größe meines Kopfes erreicht, andere sind noch nicht so weit. Ob bereit oder nicht, ob in voller Pracht oder verkümmerter Existenz, ich vernichte sie. Eine nach der anderen. Niemand wird es verstehen, nur wenige wissen, was diese Früchte für mich bedeuten und selbst diese Auserwählten werden meine Tat als lächerlich hinnehmen und den Kopf schütteln. Ich selbst schüttel den Kopf, als ich erneut den orangenen Matsch im Gesicht spüre. Er ist mehr gelblich. Vielleicht ist das ja gut für die Haut. Ich werde nicht aufhören. Nicht, bis ich den Horizont des Kürbisfeldes erreiche. Das Leben nervt mich, denn es zieht an mir vorbei und nimmt mir meine Vertrauten, diejenigen die ICH zum Leben brauche. Nur einmal soll es um MICH gehen. Nur einmal möchte ich zeigen, was ICH empfinde. Das süße Herz, das immer alles für dich macht. Ab und zu wird es bitter. Dann denkt es selbstständig. Nun dreht das Herz durch, da es die Balance zwischen süß und bitter nicht findet.
Ein Zug fährt vorbei. [to be continued]
Ein Statement oder: Die NEON-Lichter verlöschen
Die NEON ist meiner Meinung nach nicht das, für was sie sich immer verkauft. Nur so nebenbei bemerkt, ich habe die Neon jetzt beinahe zwei Jahre regelmäßig gekauft und gelesen. Ich war auf neon.de aktiv, ich habe eine zeitlang jeden Tag reingeschaut und die Artikel dieser "Jugendzeitschrift vom Stern" verschlungen. Ich fand, es war eine nette Abwechslung neben dem ganzen Bravo und BILD- Gewäsch, was man sonst am Kiosk findet. Doch nun mehr sinkt die NEON in meinem Ansehen. Warum?
Die NEON schreibt uns vor, was wir denken sollen. Sie zelebriert sich als Zeitung für "Besserdenkende", für die "Niveauvollen" unter uns. Und wer nicht so denkt, wie der Verfasser des Artikels ist selbst schuld und wohl nicht niveauvoll genug.
Wäre nicht so schlimm, wenn die NEON nicht ein in sich geschlossenes Paradoxon wäre. Im März ist es noch okay, polygame Beziehungen zu führen, im August wiederum "macht Fremdgehen die Beziehung kaputt. Egal, ob es der Partner erfährt oder nicht". Im Dezember sind alle, die nicht auf Fleisch verzichten können/wollen ignorante Kadaverfresser, im April werden wir darüber aufgeklärt, warum Vegetarier doch nicht so gesund leben, wie sie glauben.
Abgerundet wird dies alles mit modischen Skurrilheiten, bei denen der Preis mein Vorstellungsvermögen von "erschwinglich" übersteigt. Und hübschen Fotos. Das muss man dieser Zeitschrift lassen, die Fotos sind un bleiben sehr sehr gut. Und Unnützes Wissen ist ganz nett. Und "200 Tricks für ein besseres Leben" hat mir sogar ab und zu mal geholfen.
Doch die Negativ-Punkte nehmen zu. Ich gehe auch nicht mehr auf neon.de . Denn trotz einiger Ausnahmen scheinen dort nur hirnlose Zombies zu sein, die ständig den gleichen individuellen Einheitsbrei von sich geben. Die Internet-Plattform neon.de ist wie die Zeitschrift - nur digital. Die Artikel bleiben trotz allem so unterhaltsam wie eine Zwieback-Party, angefüllt mit Halbwahrheiten übers Leben und Profilen, die zeigen sollen, wie INDI(E)viduell und gebildet man doch ist. Bloß nichts Triviales an sich ran lassen - könnte ja ne Abwechslung sein. Und durchs Gewusel der Gitarrenspieler, Freizeit-Autoren und Hobby-Designer-Stylisten bildet sich ein kleines Bächlein, dass ich als "alternativen" Mainstream bezeichnen würde. Oh oh, aber wir die modernen NEON-Leser sind besser, gebildeter und cooler als der Rest. Auch wenn wir dabei riskieren, jegliche angepriesene Individualität zu verlieren. (Noch etwas, was mich stört. Das häufige verallgemeinern mit "wir" in der Rubrik "Darum ist das so"...)
Ja, ich lese gerne anspruchsvolle Bücher. Ja, ich interessiere mich für Mode und Politik.
Aber man muss doch nicht immer so tun, als würde man über allem stehen, nur weil man Abitur hat und sich ein Studium leisten kann.
P.S.: Ja, ich hatte Lust zu haten. Und vielleicht bin ich ja nicht die Einzige, die so denkt (;
P.P.S.: Eine gute Gruppe, die sich mit einem ähnlichen Thema befasst:
http://www.meinvz.net/Groups/Overview/53e6c38350c1d4ec
P.P.S.: Eine gute Gruppe, die sich mit einem ähnlichen Thema befasst:
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